Sets
Für die Barszene fanden wir eine für unsere Zwecke gut geeignete Location, die allerdings, zur Hälfte in einer überdachten Passage liegend, einen recht knappen Zeitplan vorgab. Im Star Coffee in der Fort Malakoff Passage hatten wir die komplette Bar zur Verfügung. Beginnen konnten wir allerdings erst, nachdem die letzten Gäste gegangen waren. Da die Sonne im Juli bekanntlich sehr früh aufgeht (04:30 Uhr), hatten wir nicht besonders viel Zeit, die teilweise komplizierten Einstellungen zu drehen.
Horsts Stamm-Supermarkt sollte ein kleiner, unmoderner Supermarkt sein, der ein wenig an südländische Tante-Emma-Läden erinnert. Ein solch nahezu perfekter Supermarkt fand sich direkt vor meiner Haustür- der Nahkauf. Zwei der freundlichen Mitarbeiter des Marktes erklärten sich bereit, ihren freien Sonntag am Arbeitsplatz zu verbringen und die Filialleiterin, Gabriele Herrmann, stellte sich sogar als Komparsin zur Verfügung, indem sie sich selbst spielte.
Die ausgiebige Suche nach einem geeigneten Treppenhaus in der kompletten Mainzer Innenstadt endete schließlich ebenso vor meiner Haustür - in dem Hochhauskomplex, in dem sich auch der Supermarkt befindet. Wenn das keine Ironie ist. Das bot natürlich auch erhebliche logistische und dispositionstechnische Vorteile, zumal wir auf diese Art zwei total unterschiedliche Locations an einem Tag ablichten konnten ohne weiter als 50 Meter umziehen zu müssen.
Unter anderem waren die nur wenigen Umzüge auch möglich, da wir den Dalberger Hof nutzen durften, einen alten Gutshof inmitten der Mainzer Innenstadt, der momentan kurz vor der Renovierung steht und etliche Zimmer bot, um uns dort auszubreiten. Der Dalberger Hof bot uns vor allem die Chance, Horsts und Marias Wohnung in leerstehenden, direkt nebeneinander liegenden Räumen unseren Vorstellungen nach zu gestalten und eine Studiosituation zu schaffen.
Die ca. 20 bis 40 Quadratmeter großen Zimmer waren komplett leergeräumt, nur Deckenelemente der abgehängten Decken waren noch übrig. Die Wände waren vergilbt und teilweise aufgerissen, der Boden schmutzig und somit war alles „renovierungsbedürftig“. Hier also sollte „Horst“ - der Film - hauptsächlich spielen.
Der nächste logische Schritt war es folglich, jemanden zu engagieren, der etwas an dieser Situation - Leere und Schmutz - änderte. Schnell kam aber über dropout films, die schon oft mit ihr zusammengearbeitet hatten, Maythe Stavermann mit an „Board“. Maythe stellte sich als wahrer Goldschatz heraus, da sie nicht nur professionell, sondern überaus motiviert an diese schwierige Aufgabe heranging und innerhalb von zwei Wochen mit ihrem Team ein kleines Wunder vollbrachte.
Da wir ja bereits Farben für die Charaktere ausgewählt hatten, brachte Maythe als erstes Farbkarten vom Baumarkt mit, anhand derer wir diese „Grundstimmungen“ auf die Wandfarben übertragen konnten. Um die Wand damit anzustreichen, brauchten wir logischerweise Helfer. Maythe selbst konnte diese Arbeit nur überwachen beziehungsweise anleiten, da sie aufgrund des nun herrschenden Zeitdrucks gleichzeitig damit beschäftigt war, nach der entsprechenden Ausstattung zu recherchieren und diese dann zusammenzustellen. Also bekam sie ein zehnköpfiges Team an Helfern zur Seite gestellt, die aus dem Teil meines Freundeskreises stammten, der nicht sowieso schon anderweitig beim Dreh helfen musste. Dieses Team wurde über ca. 8 Tage schichtweise eingespannt, so dass immer mindestens drei bis vier Helfer vor Ort waren. Auch vom Produktionsteam war oftmals mindestens eine Person anwesend, die den Überblick behielt, die Räume aufschloss, auf Missstände reagieren konnte und hilfreich mit anpackte. Nachdem die Wände gestrichen und tapeziert waren, hatten wir zwar die Möglichkeiten alles weitere so zu gestalten, wie ich es gern wollte, standen aber vor der großen Aufgabe, gleich drei komplette Zimmer einzurichten zu müssen. In diesem Falle zwei Schlafzimmer und eine Küche - mit allem, was dazu gehört, wie auch Ofen und Spüle. Des Weiteren benötigten wir Schränke, Tische, Stühle, einen Kühlschrank, zwei Betten, Regale, Oberschränke, Gardinen, Stehlampen, andere Sitzmöglichkeiten, eine Kommode ….
… und das war erst der Anfang der Möblierung. Bedenkt man, was alles in solchen Möbeln drinnen steht - und darauf -, greift man automatisch zum Stift. Wir benötigten also einen kompletten Haushalt und so begann Maythe, die Umgebung nach Second-Hand- und Antik-Händlern abzuklappern, durchforstete das ZDF-Archiv und stöberte bei Organisationen wie SPAZ, bei denen man Möbel unter Umständen auch leihen kann.
Horsts Schlafzimmer soll natürlich helfen, ihn zu charakterisieren, da die Schlafzimmer-Szene der Auftakt des Filmes ist. Horsts Farben werden hier gleich etabliert, sein Hang zu Mustern ebenso. Die Stimmung im Schlafzimmer sollte einerseits gemütlich, andererseits auch ein wenig kindlich wirken. Das Zimmer sollte zwar vom Chaos beherrscht sein, jedoch nicht eklig, sondern einfach nur unaufgeräumt. Das Schlafzimmer spiegelt Horsts Faulheit wieder. Die erdige Farbigkeit im Zimmer soll die Sicherheit, die ihm seine gewohnte Umgebung bietet, untermauern. Hierzu musste Maythe viele eher dunkelbraune Möbel besorgen. Diese sollten so wirken, als wären sie über die Jahre zusammengesammelt worden oder als stammten sie noch aus Horsts einstigem Kinderzimmer. Ebenfalls etwas unangemessen für sein Alter hat Horst ein Plakat an der Wand hängen, das im Comicstil gezeichnet ist (ein kleiner Wink) und mit dem er reden sollte, wenn er mit Jennatschek durch die Wand spricht. Da Horst Abenteuer liebt, solange sie ihn nicht aus seiner gewohnten Umgebung reißen, bauten wir auch einen Verweis auf Indiana Jones in das Set ein, der allerdings beim Dreh nicht integriert werden konnte, da wir einige Einstellungen streichen mussten.
Fortsetzung folgt
