Bildgestaltung & Bildsprache
Noch bevor das Drehbuch komplett war, setzte ich mich mit Kameramann und Regieassistenz zusammen, um über die Anmutung des Films zu sprechen. Da ich bereits recht genaue Vorstellungen vom Look und der Bildsprache des Films hatte, konnte ich diese auch sehr anschaulich an die Beiden vermitteln. Dazu dienten mir erneut ein Moodboard, das sowohl Farbigkeiten und Bildaufbau als auch Stimmungen des Filmes verdeutlichte, und ein paar meiner alten Comics (siehe Abb.).
Die Bildsprache und die Farbigkeit des Filmes sollten etwas comicartiges haben, um die Übertreibungen der Geschichte zu unterstützen. Starke Farben und Kontraste sind ein typisches und oft verwendetes Stilmittel dieser Kunstform. Die Hintergründe und Umgebungen der Personen sind meistens einfach und grafisch gestaltet. Diese Punkte waren mir für die Anmutung des Filmes wichtig und maßgeblich für die Gestaltung der Bilder. In Horsts kleiner Welt sollten zwar erdige Farben dominieren, ohne jedoch kontrastlos und matschig zu wirken. Um für ein entsprechend „knackiges“ Endergebnis zu sorgen, war auch die Aufnahme mit einer Kamera mit großer Farbtiefe und Lichtempfindlichkeit notwendig.
Die verschiedenen Szenen sollten unterschiedliche Farbigkeiten erhalten, ein Stilmittel, das im Film wie auch bei der Kolorierung von Comics oft genutzt wird. Deshalb teilten wir den unterschiedlichen Charakteren in der Produktionsphase anhand ihrer Wesenzüge mit Hilfe von Farbkarten bestimmte Farben zu. Diese wurden dann extra als Wandfarbe angemischt und stellten auch für die Ausstattung und die Kostüme eine Orientierung dar.
Horst wurden dabei eher bräunliche bis gelbliche Farben, Pistaziengrün und Beige zugesprochen, die vielmehr aus Faulheit und Desinteresse seinen Alltag schmücken als bewusst von ihm gewählt zu sein. Außerdem hat er einen Hang zu grausamen Mustern. Muster machen allerdings der Kamera Probleme, wenn sie zu feinteilig sind. Marias Farben sollten dazu im absoluten Kontrast stehen. Ihre übertrieben weibliche Art und ihr schlechter Geschmack sollten sich in ihrer Umgebung widerspiegeln und so zusätzliches Unwohlsein bei Horst auslösen. Die logische Schlussfolgerung war die weiblichster aller Farben - Rosa - und der verschwenderische Umgang mit ihr.
Die Bildhintergründe wollte ich recht ruhig halten, um die volle Konzentration auf die im Bild befindliche Person zu gewährleisten. Dies erreicht man einerseits durch die entsprechende Ausstattung am Set und die Kameraposition, andererseits auch durch geringe Tiefenschärfen, die zudem einen bestimmten filmischen Look erzeugen. Auch Schärfenverlagerungen sollten für bestimmte Szenen genutzt werden, um die Aufmerksamkeit von einer auf die andere Ebene zu ziehen.
Einrahmungen und ruhige Einstellungen sollen dazu dienen, Horst in seiner kleinen, etwas befremdlichen Welt, ähnlich der eines Comics, zu etablieren. Die größtenteils grafischen, oftmals rechtwinkligen Bilder sollten nur gebrochen werden, wenn Horst aus seinem Trott gerissen wird.
… weiter bei Gelegenheit …
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