Aller Anfang ist schwer

Oktober 8th, 2009 by admin

Aller Anfang ist schwer. So auch bei meiner Diplomarbeit. Da ich ein altes angefangenes Drehbuch seit Jahren schwanger trug, das mir sehr am Herzen lag, bestand eine meiner Motivationen, einen Kurzfilm zu drehen darin, dieses im Zuge meiner Diplomarbeit endlich fertig zu schreiben und bei der Verfilmung Regie zu führen. 

Also begann ich damit, die alte Geschichte auseinander zu pflücken und vor einem Stapel alter Zettel sitzend eine Menge Musik zu hören. In der Geschichte ging es um einen Kerl, Horst gar nicht so unähnlich, der in einem Plattenladen arbeitet und Musik dazu nutzt, in seine Traumwelten abzutauchen. Sowohl Musik als auch Schallplatten spielen in meinem Leben eine große Rolle. Der Film „High Fidelity“ nach dem gleichnamigen Buch von Nick Hornby trug seinen Teil dazu bei, dieses Thema aufzugreifen. Nach etlichen Versuchen, das Drehbuch in eine bestimmte Richtung zu bekommen, die einem erlaubt in diese konkret weiterzuarbeiten, zeigte sich die Schwierigkeit dieses Unterfangens und so sprach ich mit Daniela Kulcsar, meiner Regie-Assistenz, über die Geschichte und gab ihr ein paar meiner Lieblingsfilme mit nach Hause, wie „The Big Lebowski“, „Bube, Dame, König …. Gras“, „Herr Lehmann“ und „The Blues Borthers“. Auch die beiden Filme „Smoke“ und „Blue in the face“ faszinierten mich in diesem Zusammenhang besonders, da sie hauptsächlich in einem kleinen Tabakladen an einer Ecke in New York spielen.

Auf meiner Grundgeschichte beziehungsweise ihren Charakteren beruhend sponnen wir von da ab gemeinsam an Ideen und probierten diese im Einzelnen weiterzuentwickeln oder verwarfen sie nach gemeinsamer Überlegung - hauptsächlich letzteres. Als es langsam Zeit wurde, die Unterlagen für die Förderung des Landes Rheinland-Pfalz zusammenzustellen, die essentiell für die Finanzierung des Filmes war, kam ich jedoch immer noch nicht zu einem wirklich zufriedenstellenden Ergebnis in Form eines geschlossenen Treatments.

Wenige Tage vor der Abgabe der Unterlagen hatte Daniela schließlich die rettende Idee, mit der ich mich allerdings erst anfreunden musste. Sie hatte vor kurzem, aus Langeweile im Buchregal ihrer Oma stöbernd ein Buch gefunden, das ihr aufgrund seines Covers aufgefallen war, weil es nicht zwischen die übrigen Bücher der Oma passte. Überraschenderweise stellten sich die darin enthaltenen Kurzgeschichten als sehr lustig heraus. Im Zuge der Ideenfindung für meinen Diplomfilm war ihr dieses Buch wieder in die Hände gefallen und sie stellte es mir vor.

Das Buch heißt „Die Welt ist nicht immer Freitag“ und besteht aus kurzen Erzählungen des Kabarettisten und Autors Horst Evers. Bei der Lektüre der ersten Geschichte in diesem Buch konnte ich mich sowohl selbst wieder erkennen als auch prächtig amüsieren. Danielas Vorschlag war, eine dieser Erzählungen zu verfilmen. Deren Titel lautet „Jennatschek“ und diese Geschichte bot von Art und Umfang die richtigen Vorraussetzungen für einen Kurzfilm.

Obwohl diese Idee großen Reiz auf mich ausübte, musste ich mich erst eingängig damit befassen, da mir mein altes Drehbuch, besonders aber das Thema Schallplatten sehr am Herzen lag. Der Schritt, sich von einer derartigen Herzenssache zu lösen, bedeutete für mich einen schwierigen Prozess des Abwägens einzelner Argumente und der Überwindung des eigenen Egos. Eigentlich wollte ich schließlich eine eigene Geschichte erzählen und kein Buch adaptieren.

Nachdem ich in den folgenden zwei Tagen den Rest des Buches geradezu verschlang und die Geschichte „Jennatschek“ immer wieder las, erkundigte ich mich auch im Internet über den Autor und war über dessen Präsenz im Web erstaunt. http://www.google.de/search?hl=de&q=horst+evers&btnG=Google-Suche&meta=

Auch wenn ich mich seinerzeit mit dem Ende der Geschichte „Jennatschek“ immer noch nicht hundertprozentig anfreunden konnte, entschied ich mich trotzdem dafür, die Schallplatten in den Wind zu schießen und fühlte mich nach dieser Entscheidung sogar sehr befreit.

Um diese Geschichte von Horst Evers verfilmen zu dürfen, brauchte ich natürlich seine Zustimmung und so nahm ich umgehend Kontakt zu ihm auf. Die freundliche Antwort auf meine Anfrage kam dann auch recht schnell und war glücklicherweise die Erlaubnis des Autors, seinen Stoff für meinen Diplomfilm verwenden zu dürfen.

Posted in Allgemein, Das Konzept

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